Teilnahme am Außentermin der Bürgerinititaive Rheinbach-Rodderfeld mit der „Koordinierungsstelle Wasserrückhalt im Wald“ der Stadt Rheinbach
Teilnehmer*innen:
Bürgerinitiative: Rainer Verspai, Uwe Fröhlich,
Leader-Region Voreifel: Cornelia Chemnitz
Koordinierungsstelle: Katharina Höreth, Renate van Beek
Klimastammtisch Ahr: Claudia Bongard, Rudolf May, Georg Schiffer, Michael Süß, Andreas Zedler

Bei dem Aussentermin ging es um folgende Punkte:
- Besichtigung der bisherigen von der BI durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts im Stadtwald südlich des Stadtteils Rodderfeld
- Klärung geplanter neuer Maßnahmen mit der Koordinierungsstelle
Zum Hintergrund
Der Stadtteil Rodderfeld war bei den Starkregenereignissen zum 14. Juli 2021 in Teilen überflutet worden. Da der Stadtteil von einem Fließgewässer, dem Rotterbach, durchflossen wird, waren die speziellen Zusammenhänge der Überschwemmungen mit dem Einlauf des Baches in und dem Auslauf aus dem Ortsteil unmittelbar einsichtig. Im Folgejahr nach der Flut formierte sich daher auch eine Bürgerinitative, die verschiedene Bürgeranträge zur Durchführung verschiedener Schutzmaßnahmen bei der Stadt Rheinbach stellten. Ein zentrales Projekt war die Einführung eines mobilen Hochwasserschutzes, der aus einer 36,5 Meter langen, rollbaren Kunststoffwand besteht. Diese wird bei Gefahr auf einer um 40 Zentimeter erhöhten Fahrbahn aufgebaut und erreicht mit der Bodenerhöhung insgesamt eine Stauhöhe von 1,20 Metern. Darüber hinaus wurde ein 60-Zentimeter-hohes Flut-Tor installiert, das in einem unscheinbaren Schrank neben der Straße gelagert ist und bei Bedarf von den Bürgern selbst aufgebaut werden kann.
Im September 2025 wurde ein Leader-Kooperationsprojekt gestartet, bei dem die Städte Rheinbach, Meckenheim und Euskirchen sowie die Gemeinden Swisttal und Weilerswist und der Rhein-Sieg-Kreis ihre Kräfte in einer Koordinierungsstelle bündeln. Aufgabe der neu eingerichteten Koordinierungsstelle ist es, die Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts in Wäldern zu identifizieren, zu planen und deren Umsetzung zu begleiten – über die Gemeinde-, Stadt und Kreisgrenze hinweg. Die Koordinierungsstelle wird dabei nicht nur bestehende Konzepte und Ideen bündeln, sondern auch neue Maßnahmen anstoßen und Akteure vernetzen – von Waldbesitzenden über Forstbetriebsgemeinschaften bis hin zu Fachbehörden, Hochschulen und Bürgerinitiativen. Im Fokus stehen dabei kleine, natürliche Eingriffe wie durchlässige Dämme, angepasste Wegestrukturen oder natürliche Rückhaltebecken, die Starkregenereignisse abmildern und die Wälder widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Waldbrände und Hitze machen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und mit einem Gesamtbudget von rund 268.500 Euro kalkuliert. Davon werden 70 % durch die Leader-Förderung bzw. das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union finanziert. Den Eigenanteil tragen die beteiligten Kommunen und der Rhein-Sieg-Kreis zu gleichen Teilen.1
Die Quellregion des Rotterbach liegt in einem ca. 2 km südwestlich gelegenen Teil des Rheinbacher Stadtwaldes. Diese Region konnte somit auch von den Bürgern leicht als Ursprung der Wassermassen identifiziert werden, die den Stadtteil überflutet hatten.

In Kooperation und Abstimmung mit der neuen Koordinierungsstelle sowie dem zuständigen Stadtförster Sebastian Tölle hat die Bürgerinitiative damit begonnen, Maßnahmen zum Wasserrückhalt in diesem Waldgebiet zu entwickeln und in Pilotprojekten umzusetzen.
Begehung am 2. Februar
Bevor sich der Blick beim Wasserrückhalt im Wald auf die linienförmigen, entwässernden Rinnen und Gräben fokussiert, gehört der erste Eindruck dem die Fläche deckenden Waldbestand und den Böden, auf denen dieser stockt.

Die Waldbewirtschaftung der letzten Jahrzehnte lässt erkennen, dass die natürliche Verjüngung besonders der Laubhölzer und hier vorrangig der Rotbuche entschieden gefördert wurde. Hierdurch haben sich unter einem partiell lückigen Altholzkronendach weitere Baum-Generationen entwickelt, so dass eine deutliche vertikale Stufung aus Bäumen aller Altersstufen auf kleiner Fläche entstanden ist. Bemerkenswert ist, dass die Verjüngung des Waldbestandes ohne Schutzmaßnahmen gelungen ist, was auf angepasste Wildbestände durch entsprechende gezielte Bejagung schließen lässt. Damit ist eine erste wichtige Voraussetzung für den Wasserrückhalt geschaffen, denn Starkregen kann dann nicht mehr ungehindert zum Boden durchrauschen, sondern muss sich den Weg durch viele Baumetagen nach unten durchkämpfen. Damit wird der Durchfluss deutlich verzögert, gleichzeitig verwirbeln große Wassertropfen zunehmend zu einem feinen Sprühnebel. Damit kann ein gewisser Anteil des Niederschlages auf dem Weg zum Waldboden vorher verdunsten (Fachausdruck: Interzeption).

Genaue geologische und bodenkundliche Informationen lagen den Exkursionsteilnehmern nicht vor, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die besichtigten Waldböden überwiegend aus mächtigen Braunerden mit ggf. Lösslehmüberlagerung ein hohes Maß an Wasserspeicherkapazität haben. Jedoch kann die Durchlässigkeit dabei je nach Sandanteilen stark variieren. Dies kann bei Starkregen die Infiltrationsleistung begrenzen und auch zu Staueffekten und damit zu vermehrtem Oberflächenabfluss führen. Hier setzen die von Bürgerinitiative und Koordinierungsstelle begonnenen Maßnahmen zur Errichtung von durchlässigen Dämmen im Waldgebiet an.
Die durchlässigen Dämme
Bei der Begehung am 2. Februar wurden die ersten 4 errichteten „durchlässigen Dämme1“ besichtigt und deren Herstellung vorgestellt. Diese erfolgte jeweils unter Beteiligung von Bürgern und der Einbeziehung von deren Kindern aus dem betroffenen Stadtteil.
Wesentliche Vorraussetzung für die Platzierung eines solchen durchlässigen Damms ist das Vorhandensein einer Fließrinne, die im Normalfall trocken ist. In dieser wird an einer geeigneten Stelle eine Doppelreihe von Pfosten in ca. 50 – 80 cm Abstand eingeschlagen. Zwischen diesen werden quer zur Flußrichtung dünne bis mittelstarke Äste, am besten aus bereits herumliegendem Totholz, eingebracht. Eine Profilierung einer vor dem Damm liegenden Mulde erhöht die Aufnahmekapazität vor dem Damm. Zugleich können noch mögliche Abflüsse aus der Fließrinne in die angrenzenden Flächen geschaffen oder verbessert werden.
Eine solche Konstruktion kann mit nur geringem Arbeits- und Mittelaufwand an vielen geeigneten Stellen errichtet werden. Durch die Beteiligung von ehrenamtlich tätigen Bürgern und Kindern kann zugleich die Thematik des Wasserrückhalts in der Fläche praktisch und anschaulich vermittelt werden.







1Das Konzept wird auch in England unter dem Begriff „leaky dams“ bereits in größerem Stil im Rahmen eines Programms „slow the flow“ als Schutzmaßnahme vor Überflutungen bei Starkregenereignissen umgesetzt.

