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Durchlässige Dämme im Stadtwald von Rheinbach

Bei dem Aussentermin ging es um folgende Punkte:

  • Besichtigung der bisherigen von der BI durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts im Stadtwald südlich des Stadtteils Rodderfeld
  • Klärung geplanter neuer Maßnahmen mit der Koordinierungsstelle

Der Stadtteil Rodderfeld war bei den Starkregenereignissen zum 14. Juli 2021 in Teilen überflutet worden. Da der Stadtteil von einem Fließgewässer, dem Rotterbach, durchflossen wird, waren die speziellen Zusammenhänge der Überschwemmungen mit dem Einlauf des Baches in und dem Auslauf aus dem Ortsteil unmittelbar einsichtig. Im Folgejahr nach der Flut formierte sich daher auch eine Bürgerinitative, die verschiedene Bürgeranträge zur Durchführung verschiedener Schutzmaßnahmen bei der Stadt Rheinbach stellten. Ein zentrales Projekt war die Einführung eines mobilen Hochwasserschutzes, der aus einer 36,5 Meter langen, rollbaren Kunststoffwand besteht. Diese wird bei Gefahr auf einer um 40 Zentimeter erhöhten Fahrbahn aufgebaut und erreicht mit der Bodenerhöhung insgesamt eine Stauhöhe von 1,20 Metern. Darüber hinaus wurde ein 60-Zentimeter-hohes Flut-Tor installiert, das in einem unscheinbaren Schrank neben der Straße gelagert ist und bei Bedarf von den Bürgern selbst aufgebaut werden kann.

Im September 2025 wurde ein Leader-Kooperationsprojekt gestartet, bei dem die Städte Rheinbach, Meckenheim und Euskirchen sowie die Gemeinden Swisttal und Weilerswist und der Rhein-Sieg-Kreis ihre Kräfte in einer Koordinierungsstelle bündeln. Aufgabe der neu eingerichteten Koordinierungsstelle ist es, die Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts in Wäldern zu identifizieren, zu planen und deren Umsetzung zu begleiten – über die Gemeinde-, Stadt und Kreisgrenze hinweg. Die Koordinierungsstelle wird dabei nicht nur bestehende Konzepte und Ideen bündeln, sondern auch neue Maßnahmen anstoßen und Akteure vernetzen – von Waldbesitzenden über Forstbetriebsgemeinschaften bis hin zu Fachbehörden, Hochschulen und Bürgerinitiativen. Im Fokus stehen dabei kleine, natürliche Eingriffe wie durchlässige Dämme, angepasste Wegestrukturen oder natürliche Rückhaltebecken, die Starkregenereignisse abmildern und die Wälder widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Waldbrände und Hitze machen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und mit einem Gesamtbudget von rund 268.500 Euro kalkuliert. Davon werden 70 % durch die Leader-Förderung bzw. das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union finanziert. Den Eigenanteil tragen die beteiligten Kommunen und der Rhein-Sieg-Kreis zu gleichen Teilen.1

Die durchlässigen Dämme

Bei der Begehung am 2. Februar wurden die ersten 4 errichteten „durchlässigen Dämme1“ besichtigt und deren Herstellung vorgestellt. Diese erfolgte jeweils unter Beteiligung von Bürgern und der Einbeziehung von deren Kindern aus dem betroffenen Stadtteil.

Wesentliche Vorraussetzung für die Platzierung eines solchen durchlässigen Damms ist das Vorhandensein einer Fließrinne, die im Normalfall trocken ist. In dieser wird an einer geeigneten Stelle eine Doppelreihe von Pfosten in ca. 50 – 80 cm Abstand eingeschlagen. Zwischen diesen werden quer zur Flußrichtung dünne bis mittelstarke Äste, am besten aus bereits herumliegendem Totholz, eingebracht. Eine Profilierung einer vor dem Damm liegenden Mulde erhöht die Aufnahmekapazität vor dem Damm. Zugleich können noch mögliche Abflüsse aus der Fließrinne in die angrenzenden Flächen geschaffen oder verbessert werden.

Eine solche Konstruktion kann mit nur geringem Arbeits- und Mittelaufwand an vielen geeigneten Stellen errichtet werden. Durch die Beteiligung von ehrenamtlich tätigen Bürgern und Kindern kann zugleich die Thematik des Wasserrückhalts in der Fläche praktisch und anschaulich vermittelt werden.

1Das Konzept wird auch in England unter dem Begriff „leaky dams“ bereits in größerem Stil im Rahmen eines Programms „slow the flow“ als Schutzmaßnahme vor Überflutungen bei Starkregenereignissen umgesetzt.